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Germany: Bushido-Album “Sonny Black” put on index by Administrative Tribunal because of homophobic (and otherwise degrading) language
https://www.bverwg.de/de/pm/2019/77
Pressemitteilung Nr. 77/2019 vom 01.11.2019
Indizierung eines Albums (CD) aus dem Bereich Gangsta-Rap
Ein Album
mit weitgehend gewaltverherrlichenden und massiv diskriminierenden
Songtexten kann als jugendgefährdend indiziert werden. Dies hat das
Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden.
Der
Kläger, ein bekannter Rapper, brachte ein Album mit 15 Titeln heraus,
deren Texte den kriminellen Lebenswandel der Titelfigur, die von dieser
begangenen Straftaten und deren permanente Gewaltbereitschaft
beschreiben, sowie nahezu durchgängig herabwürdigende Äußerungen in
Bezug auf Frauen und Homosexuelle in vulgärer Sprache enthalten.
Innerhalb weniger Wochen nach der Veröffentlichung wurden mehr als 100
000 Exemplare verkauft. Ein halbes Jahr später leitete die
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien das Indizierungsverfahren
ein. Dieses führte dazu, dass die Bundesprüfstelle entschied, das Album
in die Liste der jugendgefährdenden Medien einzutragen. Eine solche
Eintragung zieht unmittelbar kraft Gesetzes Verbreitungs- und
Werbeverbote nach sich, die verhindern sollen, dass sich Minderjährige
das indizierte Werk beschaffen können.
Die
Bundesprüfstelle gab zur Begründung an, die das Album dominierenden
gewaltverherrlichenden und grob diskriminierenden Passagen seien
geeignet, schädliche Wirkungen auf gefährdungsgeneigte, d.h. besonders
empfängliche Minderjährige auszuüben. Es bestehe eine hohe
Wahrscheinlichkeit, dass das Album die Einstellungen und das Verhalten
dieser Minderjährigen beeinflusse. Die Botschaft, dass eine skrupellos
kriminelle Lebensweise, verbunden mit der Demütigung anderer, zum Erfolg
führe, sei geeignet, Empathie und Solidarität mit anderen als
hinderliche Schwäche anzusehen, Verachtung anderer zu fördern und ein
feindseliges Klima herzustellen. Die Indizierung könne nicht wegen des
Kunstgehalts des Tonträgers unterbleiben. Die Abwägung ergebe, dass dem
Jugendschutz Vorrang vor der Kunstfreiheit einzuräumen sei. Das Album
habe Unterhaltungswert; eine gesteigerte künstlerische Bedeutung komme
ihm nicht zu.
Das
Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen, das Oberverwaltungsgericht
hat ihr stattgegeben. Dabei hat es ausschließlich darauf abgestellt,
dass die Bundesprüfstelle den Kunstgehalt nicht vollständig erfasst
habe, weil sie die an einzelnen Titeln des Albums mitwirkenden Texter
und Komponisten nicht ordnungsgemäß angehört habe. Dies könne im
gerichtlichen Verfahren nicht nachgeholt werden, weil der
Bundesprüfstelle für die Abwägungsentscheidung ein gerichtlich nur
eingeschränkt nachprüfbarer Beurteilungsspielraum eröffnet sei.
Die
Revision der Beklagten hatte Erfolg. Das Bundesverwaltungsgericht hat
seine Rechtsprechung aus den 1990er-Jahren nicht fortgeführt und einen
Beurteilungsspielraum der Bundesprüfstelle nicht mehr anerkannt. Ein
solcher Beurteilungsspielraum ist mit der Rechtsschutzgarantie des
Art. 19 Abs. 4 Satz 1 des Grundgesetzes nicht vereinbar. Ein Sachgrund
für die Zurücknahme der gerichtlichen Kontrolle einer
Indizierungsentscheidung ist nicht gegeben. Die pluralistische
Zusammensetzung der Bundesprüfstelle reicht hierfür ebenso wenig aus wie
deren Weisungsunabhängigkeit. Die tatsächlichen Feststellungen und
Wertungen der Bundesprüfstelle zu den jugendgefährdenden Wirkungen und
dem künstlerischen Stellenwert eines Kunstwerks sind sachverständige
Aussagen, rechtfertigen aber nicht die Annahme eines
Beurteilungsspielraums. Daher kann allein wegen der unterbliebenen
Anhörung der weiteren am Album beteiligten Künstler im
Verwaltungsverfahren die Indizierungsentscheidung nicht aufgehoben
werden.
Die
Indizierungsentscheidung erweist sich als rechtmäßig. Aus den
Feststellungen der Bundesprüfstelle ergibt sich, dass das Album nach den
von diesem zutreffend zugrunde gelegten Maßstäben jugendgefährdende
Wirkungen hat. Der Kläger hat diese sachverständige Beurteilung nicht zu
erschüttern vermocht. Gleiches gilt für die Beurteilung des
Kunstgehalts des Albums als bloße Unterhaltung, auch unter
Berücksichtigung des vom Kläger vorgelegten Gutachtens.
BVerwG 6 C 18.18 – Urteil vom 30. Oktober 2019
Vorinstanzen:
OVG Münster, 19 A 2001/16 – Urteil vom 16. Mai 2018 –
VG Köln, 19 K 3287/15 – Urteil vom 02. September 2016 –
Anti-gay discrimination costing Jamaica $11b annually, says respected think-tank
USA: A jury in St. Louis has awarded a gay police sergeant nearly $20 million in a discrimination case
EU: AG Sharpston delivers opinion in case on homophobic remarks made by an interviewee during a radio programme in Italy
OPINION OF ADVOCATE GENERAL SHARPSTON delivered on 31 October 2019(1)
Case C‑507/18 NH v Associazione Avvocatura per i diritti LGBTI — Rete Lenford
(Request for a preliminary ruling from the Corte suprema di cassazione (Italy))
(Directive 2000/78/EC — Equal treatment in employment and occupation — Discrimination based on sexual orientation — Article 3(1)(a) — Access to employment — Public statements excluding the recruitment of homosexuals — Article 8(1) — Article 9(2) — Enforcement and remedies — Standing of an association in the absence of an identifiable victim — Claims for damages)
Conclusion
111. I therefore propose that the Court should reply to the questions referred by the Corte suprema di cassazione (Supreme Court of Cassation, Italy) as follows:
– Remarks made by an interviewee during a radio programme stating that he would never hire a homosexual person to work in his law firm nor wish to use the services of such persons are capable of falling within the scope of Article 3(1)(a) of Council Directive 2000/78/EC of 27 November 2000 establishing a general framework for equal treatment in employment and occupation, as being likely to hinder access to employment.
– When those statements are not made in the context of a current recruitment procedure, it is for the national court to assess whether the link with access to employment is not hypothetical, in the light of the status and capacity of the person who made the statements, the nature, content and context of the statements, as well as the extent to which such statements might discourage persons belonging to the protected group from applying for employment with that employer.
– The prohibition, under Article 2 and 3 of Directive 2000/78, of statements that amount to direct discrimination in relation to access to employment cannot be considered to be an interference with freedom of expression such as to violate rights guaranteed by Article 11(1) of the Charter.
– Articles 8(1) and 9(2) of Directive 2000/78 permit national legislation giving associations with a legitimate interest standing to bring proceedings for the enforcement of obligations under Directive 2000/78 in the absence of an identifiable victim. It is for national law to lay down the criteria to determine whether an association has such a legitimate interest, subject to the principles of equivalence and effectiveness.
– An association that has a legitimate interest in bringing proceedings may ask for discriminatory conduct to be sanctioned in an effective, proportionate and dissuasive manner, including by an award of damages, under the conditions laid down by national law.
curia.europa.eu/juris/celex.jsf?celex=62018CC0507&lang1=de&type=TXT&ancre=
Palestinian group says ‘harassment and persecution’ of LGBTQ people by police is increasing, calls for end of violence
2019 Social Acceptance of LGBT People in 174 Countries
USA – Texas: Court rules against transphobic dad trying to stop his estranged daughter’s transition
‘What a day to be gay in Northern Ireland’: marriage equality becomes law at last
Invitation: Camille Robcis (Columbia University), Genre, race et reproduction nationale lors du mariage pour tous (Jeudi 31 octobre de 17h30 à 19h00, Géopolis 1620, UNIL, Lausanne)
Le Groupe de recherche interdisciplinaire sur l’orientation sexuelle et l’identité de genre de la PlaGe a le plaisir de vous convier à la conférence de Camille Robcis (Columbia University) Genre, race et reproduction nationale lors du mariage pour tous Jeudi 31 octobre de 17h30 à 19h00, Géopolis 1620 Plus d’informations sur le site web de la PlaGe.

